Zytostatika schädigen Tumor-Zellen ...

Zytostatika, die bei einer Chemotherapie eingesetzt werden, sind Zellgifte, die Tumorzellen deutlich stärker schädigen als normale Zellen. Das geht zum einen darauf zurück, dass bösartige Zellen vielfach die Fähigkeit der Normal-Zellen zur Reparatur von Schäden am Erbgut verloren haben. Beim ersten Zytostatika-Schaden gehen sie daher unter.
Andere Zytostatika-Wirkungen führen wiederum dazu, dass den bösartigen Zellen ein solcher Schaden hinzugefügt wird, dass sie von körpereigenen Kontroll-Mechanismen als beschädigt erkannt und deshalb vernichtet werden. Und weiter können Zytostatika bösartige Zellen zwar nicht vernichten, aber immerhin an der Vermehrung durch Zellteilung, also am Wachstum hindern.

... und leider auch gesunde Zellen

Alle Zellen, die sich teilen, sind gegen Zytostatika besonders empfindlich. Bösartige Zellen teilen sich sehr häufig und bieten Zytostatika eine breite Angriffsfläche. Leider werden auch gesunde Zellen, die in Teilung sind, von Zytostatika angegriffen.
An Geweben, die sich häufig teilen – Knochenmark für die Blutbildung, Schleimhäute, bestimmte Zellen der Haut – werden häufiger gesunde Zellen geschädigt als an Geweben, die sich weniger oft teilen. Das führt zu den unerwünschten Wirkungen oder Nebenwirkungen der Zytostatika.

Was ein Schema ist ...

Zytostatika werden in 2er- oder 3er-Kombinationen verabreicht. Damit kann eine höhere Wirkung erzielt werden; die Nebenwirkungen sind geringer.
Ein Schema fasst die Anleitungen zur Verabreichung zusammen.

... und was ein „Zyklus“

Nach jedem verabreichten Schema wird eine Pause von ein bis zwei Wochen eingelegt, in der das Zytostatikum wirken und der Körper sich wieder erholen soll.
Darauf wird das selbe Schema in einem zweiten Zyklus verabreicht.
(Man kann Zyklus also einfach mit „Durchgang“ übersetzen).

Mund- und Rachenraum
  • Es können wunde Stellen, Bläschen und kleine Geschwüre auftreten. Hier ist die Gefahr groß, dass sich Bakterien und Pilze ansiedeln, denn unter Zytostatika ist die körperliche Abwehr abgeschwächt.
  • Prophylaxe: Mundpflege mit weicher Zahnbürste, Mundspülungen mit speziellen Lösungen aus der Apotheke. Lippen, Mundwinkel und Nasen-Innenraum mit Bepanthen-Salbe einreiben.
Magen–Darm–Trakt
  • Übelkeit und Erbrechen: Einige neue Zytostatika, darunter die Taxane, rufen seltener Übelkeit hervor als ältere Medikamente.
  • Prophylaxe: Es gibt wirksame Medikamente, die Übelkeit und Erbrechen mildern können. Hilfreich sind auch Entspannungsübungen sowie ein Beruhigungsmittel am Abend vorher.
Knochenmark

Da das Knochenmark ein Gewebe ist, dass sich schnell erneuert, wird es durch Zytostatika besonders beeinträchtigt.

  • Rote Blutzellen (Erythrozyten): Bei sinkender Anzahl wird weniger Sauerstoff transportiert. Zeichen von Blutarmut sind Müdigkeit und leichte Erschöpfbarkeit.
    Prophylaxe: Gabe von Eisen oder blutbildendem Hormon.
  • Weiße Blutzellen (Leukozyten): Sie dienen der Immunabwehr, so steigt die Gefahr für eine Infektion.
    Prophylaxe: Alle Infektionsgefahren sollten vermieden werden.
    Gabe von Wachstumsfaktoren ( z. B. Granozyte).
  • Blutplättchen (Thrombozyten): Sind ein wesentlicher Bestandteil der Blutgerinnung, sinkt ihre Anzahl, steigt die Blutungsneigung.
Haare

Vorübergehender Verlust der Körperbehaarung
Prophylaxe: rechtzeitige Anfertigung einer Perücke

1. Veränderung der Geschmacksempfindung:
  • Geschmacksschwelle für Bitter ist herabgesetzt
  • Geschmacksschwelle für Süß ist erhöht
  • bei Abneigung gegen Fleisch und Wurst: auf Milch, Milchprodukte, Eier und Fisch ausweichen; „geeignete proteinreiche Lebensmittelkombinationen“ auswählen
2. Appetitlosigkeit:
  • immer essen, wenn Appetit vorhanden ist
  • starke Essensgerüche vermeiden
  • kleine Portionen
  • gewürzarm kochen und bei Bedarf nachwürzen
  • kleiner „Aperitif“ ca. 10 Minuten vor dem Essen
3. Entzündungen der Mundhöhle oder Speiseröhre:
  • keine scharfen Gewürze
  • keine stark gesalzenen Speisen
  • keine säurehaltigen Lebensmittel (Essig, Obst, Südfrüchte, Rhabarber, Tomaten)
  • Speisen nicht zu heiß verzehren
  • kohlensäurehaltige Getränke meiden
4. Schluckbeschwerden:
  • keine feste Nahrung
  • häufig kleine Mengen trinken (Pfefferminztee erhöht den Speichelfluss)
  • hochkalorische, flüssige Nahrung: Creme-Suppen, püriertes Gemüse, Kartoffelpüree, Milchmixgetränke
  • mit Sahne oder etwas Butter anreichern
5. Durchfall, Übelkeit, Erbrechen:
  • zu rasches Essen und Trinken vermeiden
  • leichte Kost und mehrere kleine Mahlzeiten
  • kein frisches Obst, keine blähenden Gemüse oder Salate
  • zu süße oder fette Speisen vermeiden
  • trockene Nahrungsmittel bevorzugen (Cracker, Zwieback, Toast)
  • reichlich Flüssigkeit (2,5 bis 3 Liter)
  • häufig verträglich: Fencheltee, Hafer- und Reisschleimsuppe, Weißbrot, Banane

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