Eigenes Blut ist besser für  den Patienten als fremdes Blut. Das ist das Credo nach dem Kliniken arbeiten, die Teil des „Patient Blood Management“-Netzwerkes sind. Bei dieser besonderen Form des Blut-Managements geht es darum, Patienten Blut-Transfusionen zu ersparen oder zumindest zu reduzieren.

Das Klinikum Fichtelgebirge ist seit 2015 Mitglied im Netzwerk Patient Blood Management (PBM) und hat ein entsprechendes Behandlungskonzept eingeführt – als einziges Klinikum im Umkreis von 150 km.

Kürzlich wurde Dr. Axel Schmucker und sein Team mit dem Zertifikat in Gold ausgezeichnet. Ein solches Ergebnis erreichten nur noch drei weitere Kliniken in Deutschland.

 

Vor allem in der Sommerzeit und in Hitzeperioden lässt die Blutspenderbereitschaft erheblich nach. Aber auch die demografische Entwicklung trägt mit dazu bei, dass Blut zunehmend zu einer knappen Ressource wird.

Den immer älteren Patienten mit einem wachsenden Transfusionsbedarf stehen immer weniger mögliche Blutspender gegenüber.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert daher seit 2011 die Einführung eines Patient Blood Management (PBM).

Zudem sind Bluttransfusionen immer auch ein potenzielles Risiko für den Patienten. Neueren Studien zufolge könnte die Gabe von Fremdblutkonserven mit einer erhöhten Mortalität, Morbidität und einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden sein.

Um diesen Problemen zu begegnen und die Patientensicherheit zu erhöhen, hat das Universitätsklinikum Frankfurt zusammen mit den Unikliniken in Bonn, Kiel und Münster ein Projekt Patientenblut-Management gestartet.

Interview zum Patient Blood Management mit Dr. Axel Schmucker, Leitender Arzt der Medizinischen Klinik

 

Herr Dr. Schmucker, welche Risiken birgt die Transfusion von Fremdblut?

Dr. Schmucker: Nach Operationen ist das Infektionsrisiko der Patienten erhöht, dadurch kann beispielsweise eine Lungenentzündung entstehen. Auch allergische Reaktionen sind nicht auszuschließen sowie Infektionen mit HIV/Hepatitis B/C,  jedoch treten diese eher selten auf. Bei Patienten mit einer Herzschwäche und einer gleichzeitigen Infektion kann sich die Herzschwäche deutlich verschlechtern.

Seit wann setzt das Klinikum Fichtelgebirge auf das Patient Blood Management?

Dr. Schmucker: Unser Klinikum ist seit 2015 Teil des Patient Blood Management-Netzwerkes.

Wie funktioniert das Behandlungskonzept?

Dr. Schmucker: Das Konzept ist ganz simpel zu erläutern: Bluttransfusionen werden so selten wie möglich verabreicht und die Indikation zur Bluttransfusion wird von sogenannten Transfusiontriggern abhängig gemacht.
Hierzu gehört z.B. der Hämoglobinwert, klinische Beschwerden wie Atemnot, Kreislaufschwäche, Erschöpfung etc. sowie klinische Hinweise auf einen Sauerstoffmangel im Gewebe.
Vor planbaren Operationen, bei denen ein erhöhtes Transfusionsrisiko für den Patienten besteht, wird der Hämoglobinwert bestimmt. Bei einer Verminderung wird die Ursache geklärt und der Patient erst mit einem möglichst normalen Wert operiert.

Die Blutabnahmen während eines stationären Aufenthaltes werden auf ein Minimum begrenzt.

Bei Operationen mit erhöhtem Blutverlust, wie beispielsweise  bei Hüft- und Knieprothesen oder Wirbelsäulen-Operationen, wird der sogenannte Cell-Saver verwendet und Patientenblut rücktransfundiert.

Bei welchen Operationen kommt PBM am Klinikum Fichtelgebirge zum Einsatz?

Dr. Schmucker: Das Patient Blood Management kommt bei den planbaren Eingriffen zum Einsatz, wie z.B. bei Endoprothetik-Revisionen, viszeraler Tumorchirurgie oder in der Gefäßchirurgie. Diese Operationen haben ein Transfusionsrisiko von über 10 %.

Inwieweit sind die Transfusionen am Klinikum Fichtelgebirge zurückgegangen?

Dr. Schmucker: Hierzu kann mit großer Freude berichtet werden, dass die Transfusionszahlen von 2900 im Jahr 2014 auf 1350 im Jahr 2017 reduziert werden konnten.


Hintergrund

Anhand einzelner Studien könnte selbst die Transfusion einer einzelnen Blutkonserve die Wahrscheinlichkeit eines Herz- und/ oder ischämischen Schlaganfalls erhöhen und mit einem längeren Krankenhausaufenthalt im Zusammenhang stehen. Ein möglicher Zusammenhang zwischen Bluttransfusionen und einem erhöhten Risiko für Tumorrezidive wird aktuell ebenso diskutiert. Auch kann trotz maßgeblich verbesserter Prozessabläufe eine Fehltransfusion oder auch eine Übertragung von (bisher unbekannten) Viren und Erregern nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Als maschinelle Autotransfusion (MAT) bezeichnet man das Verfahren, bei dem man während oder nach einer Operation, die mit einem starken Blutverlust einhergeht, Blut des Patienten aus dem Operationsgebiet auffangen und wiederaufbereiten kann, um es dem Patienten zeitnah wieder zu re-transfundieren.

Zum Zeitpunkt eines operativen Eingriffs leiden 11 – 48% aller chirurgischen Patienten an einer Blutarmut. Bleibt die präoperative Anämie unbehandelt, hat dies einen dramatischen Einfluss auf das Behandlungsergebnis. Tatsächlich ist die Anämie ein unabhängiger Risikofaktor für eine erhöhte Morbidität und Sterblichkeit sowie einen längeren Krankenhausaufenthalt.

Kontakt & Bildmaterial:
Peggy Kuniss-Pfeiffer, Pressesprecherin
Tel.: +49 9231 809 1004
p.kuniss@klinikum-fichtelgebirge.de